Ich schaue mal wieder beim Coiffeur vorbei. Der Haarschnitt kostet jetzt fünfzig Franken. Alles wird teurer. Und er meint: Was soll ich tun? Ich muss genügend einnehmen, das Leben kostet – vor allem die Ausbildung der Kinder.
Sein Sohn: Eine Lehre wollte er nicht. Er besucht eine Informatikerschule. Dreißigtausend Franken kostet das. Gerade Ausländer finden kaum eine Lehrstelle, die Schule ist oft der einzige Weg. Nun braucht er ein Praktikum. Vielleicht bei mir?
Der Coiffeur winkt sofort ab: „Bei dir? Nein, zahlen kannst du nichts. Ich brauche zwar Hilfe, aber dir fehlt doch jeder finanzielle Erfolg. Ein dauerndes Scheitern.“
Ich versuche es mit Ideen: „Es gäbe viele Möglichkeiten. NFC zum Beispiel, da liegt die Zukunft. Oder Werbung für kleine Unternehmen, Webseiten bauen – der Bedarf ist groß. Dein Salon könnte davon profitieren. Dein Sohn könnte solche Lösungen entwickeln.“
Weisst, du wie schön es wär, wenn der Kunde sich zwischen verschiedenen Haarschnitten entscheiden kann. Die Lösung kostet viel Geld, doch die Programmbausteine sind im Internet. Dein Sohn könnte lernen, eine Lösung für Coiffeure aufzubauen. Mit KI ist heute viel möglich.
Doch der Coiffeur bleibt hart. „Das mag alles sein. Aber mein Sohn braucht doch Geld. Er soll einen Job haben, er soll lernen, wie es in der Wirtschaft zugeht. Und wenn er Glück hat, verdient er vielleicht tausend Franken im Monat. Kostenlos arbeiten – das bringt ihn nicht weiter.“
So ist es geregelt: Der Betrieb muss auf alle Fälle zahlen, auch wenn er viel Zeit in die Ausbildung investieren muss. Der Lohn ist niedrig, aber er ist Pflicht. Ein Lehrling, ein Praktikant – niemand darf ohne Geld arbeiten.
Und doch: Für die Jugendlichen bleibt der Lohn immer zu tief. Sie wachsen in einer Welt auf, die stark konsumorientiert ist. Marken, Smartphones, Reisen – alles wird verglichen. Andere haben mehr, posten mehr, zeigen mehr. Der Druck, mitzuhalten, ist groß. Was früher ein anständiger Lehrlingslohn war, reicht heute kaum noch für das Lebensgefühl, das ihnen täglich vor Augen geführt wird.
So entsteht ein Teufelskreis: Eltern investieren Unsummen, Betriebe stöhnen über Kosten, Jugendliche brauchen dringend Einkommen – und am Ende bleibt die Frage, wie man ohne Kompromisse überhaupt noch lernen soll.
Praktika, die einst Brücken in die Arbeitswelt waren, sind heute Kostenstellen. Lernen wird zur Nebensache. Heute muss Geld verdient werden – von Anfang an.
